Henning Mankell

Henning Mankell  der schwedische Romanautor

“Die Dämmerung brach an. Er war müde, nickte dann und wann ein, als er dort saß und über die Berge blickte. Aber er konnte nicht bleiben. Er musste fort von hier, sonst würden sie ihn finden. Er trat hinaus, ins Freie und pisste. Langsam wurde es heller. Dieses schwache graue Dämmerlicht, das er aus Argentinien kannte. Wenn es nur nicht so kalt wäre. Er kehrte wieder ins Haus zurück.”

Henning Mankell gehört ohne Zweifel zu den größten Romanautoren des 20. Jahrhunderts. Bis heute wurden die meisten seiner Werke in zahlreiche Sprachen übersetzt, einige seiner Bücher wurden verfilmt. “Die Rückkehr des Tanzlehrers” gehört heute zu seinen bekanntesten Werken, Medien und Kritiker beschreiben es zugleich als eines seiner Wichtigsten. Das Buch ist eine Art Reminiszenz an den zweiten Weltkrieg, jedoch vielmehr ein wichtiger Beweis. Der Beweis dafür, dass bis heute nationalsozialistisches Denken die Welt und auch die Gesellschaft in höchstem Maße prägen und leiten. Doch nicht “Die Rückkehr des Tanzlehrers” machte ihn in Deutschland bekannt. Vielmehr war es seine Krimi-Reihe Kurt Wallander. Henning Mankell versteht es, die richtigen Worte zu finden und einzusetzen, Werke zu schaffen, die weit mehr als nur ein Lesevergnügen sind.

Mankell wurde am 03. Februar 1948 in der schwedischen Landeshauptstadt Stockholm geboren. Bereits mit achtzehn machte er den ersten wichtigen Schritt für seine Karriere. Er begann am Riks-Theater in Stockholm seine Arbeit als Theaterregisseur. Sein eigenes Ziel war geprägt durch Größe, keinesfalls jedoch durch falschen Idealismus. Er wollte die Gesellschaft, die Menschen weltweit zu demaskieren. Sein Ziel spiegelt sich bis heute nicht mehr nur in seinen zahlreichen Werken wider, vielmehr leitete es ihn bei all seinen Inszenierungen und Werken. Es gab ihnen und dem Menschen Mankell selbst ein Gesicht. Seine ersten Stücke in der Collageform schrieb er bereits im Alter von 20 Jahren. Nahezu mit gleicher Intention begann er schließlich zu Beginn der 70er Jahre seine erste Prosa zu verfassen. Es war für ihn selbst eine Herausforderung höchster Güte, die er jedoch mit einem ungemeinen Elan in Angriff nahm. Bersprängaren veröffentlichte er im Jahr 1973. Es war sein erster Roman und bereits zu diesem Zeitpunkt konnte er sein ungemein großes Talent unter Beweis stellen. Henning Mankell widmet sich in nahezu jedem seiner Werke den verschiedenen gesellschaftlichen und auch politischen Themen. Sie sind der Leitfaden, wohl auch der Fokus der Gesichten und sie sind vor allem Zeichen für seine Leser und Kollegen.

Langsam aber sicher begann er in den 80er Jahren damit, seine eigentliche Wirkungsstätte in das afrikanische Mosambik zu verlegen. Hingebungsvoll und ebenso engagiert widmete er sich dort dem Aufbau eines Theaters. Weltbekannt ist heute vor allem die Figur Kurt Wallander. Angeführt von dem Roman “Mörder ohne Gesicht” war es der Beginn einer Krimi-Reihe, die auf internationaler Ebene ein hohes Maß an Anerkennung genießen durfte. Bis heute ist die Fangemeinde um Kurt Wallander groß. Weltweit erlangte dieser recht knorrige Polizist Ruhm und Ehre. Henning Mankell verbrachte den Großteil seines Lebens sowohl in Schweden als auch in Maputo, einer Stadt in Mosambik. Sein Engagement für den Aufbau des Landes und der Stadt war groß, nahezu außergewöhnlich. Viele seiner Erfahrungen, die er in der Zeit in Afrika sammelte, veröffentlichte er in seinen Romanen. Für ihn waren sie oft eine wichtige Form der individuellen Verarbeitungen und sind nicht selten auch ein Spiegelbild seiner zahlreichen verschiedenen Erfahrungen.

Henning Mankell gelang es zunehmend sich zu einem wichtigen und zudem auch bekannten Autor dieser Zeit zu entwickeln. Heute ist er jedoch weit mehr als nur ein Autor, er ist ein wichtiges Synonym des Krimis und zugleich auch ein bedeutendes Spiegelbild der Identifikation. Er selbst hat sich mit seinen Werken nie selbst verraten. Er ist sich, seinem Schreibstil und letzten Endes vor allem seinen Zielen treu geblieben. Er hat ein ganz eigenes Erfolgsrezept  es ist die Identifikation. Doch auch wenn es einfach klingt, erreichen dies nur die Wenigsten. All seine Romanhelden sind für die zahlreichen Leser antastbar, sie sind nah und verständlich. Verfügen über Ecken und Kanten, was sie vor allem menschlich macht. Er greift Problemen, Themen und letzten Endes Geschehnisse auf, die die Menschen lenken, sie bewegen und deren Leben, ganz gleich in welcher Hinsicht, beeinflussen können. Die Themen sind meist stärker von Aktualität geprägt als es den zahlreichen internationalen Verlagen und Redaktionen lieb ist. Die Leitbilder seiner Bücher sind einfach, besonders offensichtlich und alles andere als verschlüsselt. Es sind Probleme der Gesellschaft, Geschehnisse ein gleichermaßen auch Meinungen der Politik. Die zahlreichen Hintergründe, Auswirkungen und Wurzeln reichen bei Henning Mankell selbst bis zu den Ursprüngen der Menschheit, weit hinein in die Tiefen der Gesellschaft. Eines ist sicher, er ist nicht der Autor, der vor Themen wie Rassismus und Verleumdung zurückschreckt  er ist derjenige der sie aufgreift und das mit einem hohen Maß an Deutlichkeit und Brisanz. Mankell ist ein Autor, der genau diese Themen zurück in die Gedanken der Menschen bringt, der dafür sorgt, dass sie auf Grund der Materialismus und der internationalen Propaganda nicht in Vergessenheit geraten. Er selbst muss sich keinesfalls um die Veröffentlichungen seiner Bücher bemühen. International zeigen die einzelnen Verlage großes Interesse an den Werken des schwedischen Schriftstellers. Ein großer Teil seines finanziellen Erfolgs fließt in seine Arbeit in Mosambik. Er unterstützt sie auf diese Art und Weise effektiv und hält sie nicht selten dadurch am Leben. Henning Mankell ist ein Mensch der Taten, er ist aber auch Mensch, der durch Ehrlichkeit überzeugen kann. Er selbst unterstreicht, dass ihn die Arbeit in Mosambik nicht mehr nur als Autor, sondern vor allem als Mensch geprägt hat. Es sind Erlebnisse und Bilder, die sein eigenes Meinungsbild geändert haben, es bis heute leiten und in seinen Werken zur Geltung kommen. Durch seine Werke lässt er andere Menschen an all diesen Erfahrungen und Kenntnissen teilhaben.

Er selbst stellt die Helden seiner Romane als Menschen hin. Er beweist, dass auch die angreifbar sind, dass ihnen alltägliche Fehler passieren und macht sie auf diese Art und Weise für die Menschen verständlich. Bis heute gehört Kurt Wallander zu den wohl bekanntesten Helden seiner Werke. Ein Mensch, der tollpatschig, jedoch überaus charmant ist, ein Charakter der seine zahlreichen Ecken und Kanten hat, der jedoch überaus sympathisch ist  all das ist Kurt Wallander und all das ist es auch, was die Menschen lieben gelernt haben. Für die damalige Generation ist Kurt Wallander ein wichtige Leitfigur geworden, die es schaffen konnte, die Gesellschaft zu prägen. Zweifelsohne ist Henning Mankell zu einer Art Phänomen geworden. Ein Phänomen der heutigen Zeit und letzten Endes auch ein Phänomen einer ganzen Generation. Seine Erfolge haben ihn kaum verändert. Seine Ehrlichkeit, seine Sympathie und letzten Endes auch seine Einfachheit konnte er sich bewahren und stellt sie noch heute in den Fokus seines eigenen Lebens.

In Deutschland gelang es Mankell im Jahr 1998 ein Zeichen zu setzen. Er veröffentlichte sein Werk “Die fünfte Frau”. Nur kurze Zeit danach folgten weitere seiner Werke. Langsam aber sich wandte er sich von dem Helden Kurt Wallander auf. Er schrieb Afrika Romane und setzte sich auf diese Art und Weise mit dem internationalen Thema Aids auseinander. Es sind Romane, die wahrgenommen und in jedem Fall auch mit Respekt überhäuft wurden, doch es sind auch die Werke, die heute nur selten mit dem schwedischen Autor in Verbindung gebracht werden. Mankell macht den Eindruck der Rastlosigkeit, jedoch der Ehrlichkeit. Zahlreichen Medien gegenüber äußerte er: “Dass alle Menschen gleich sind. Dass wir Solidarität sein müssen. Dass wir Afrika verstehen sollen, statt es zu verurteilen. Dass Afrika aus vielen Afrikas besteht.” Die Botschaft ist einfach, jedoch zu komplex für die Meisten. Es sind jedoch auch Worte, die als ein wichtiger Beweis angesehen werden können. Immerhin wird so offensichtlich, dass die Arbeit auf dem schwarzen Kontinent den Mensch Henning Mankell geprägt hat. Sie hat ihn verändert. In einem Gespräch mit der Zeit findet er Worte, die deutlich, jedoch auch Angst einflößend sind: “In diesem frühen 21. Jahrhundert, dieser zeit der wahnsinnigen, wachsenden Kräfte zwischen Arm und Reich, zwischen Vernunft und Gier, zwischen Solidarität und der kalten Schulter, kann ich nur auf einen Neubeginn hoffen. Die Verantwortung, die wir haben als die einzige Spezies, die ein Bewusstsein vom Tod besitzt und daher den Wert des Lebens versteht  die müssen wir zurückgewinnen. Die Zeit dafür wird immer knapper.”
Henning Mankell unterstreicht mit seinem Werk “Die Rückkehr des Tanzlehrers”, dass der Nazismus nicht gemeinsam mit Hitler starb. Bis heute wird von seinen Anhänger am Leben erhalten, getragen und gelebt. Beängstigend ist jedoch, dass sich Neonazis heute nicht mehr nur Springerstiefel als solche zeigen. Sie verhüllen sich in ein undurchsichtiges Tuch, sie sind kaum mehr als solche zu erkennen, doch sie sind gefährlicher wie jemals zuvor. Während er zum einen auf die Brisanz des Nazismus eingeht, beweist er zum anderen, dass Schweden bei Weitem kein harmloses Land ist. Er schafft es, diesen Wohlfahrtssaat zu enthüllen und so gelingt es ihm ganz andere Kräfte in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist ein Roman, der brisanter kaum sein könnte, der jedoch auch beweist, dass diese Gesellschaft in großen Zügen aus Schein besteht.

2 Antworten auf Henning Mankell

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